Soviet Union
L.
B. Dmitriev und S. L. Taptapova
(Original Russisch, Deutsch von Intertext)
Taken
from Gutzmann-Festschrift (1980)
c.f. updated history article on Russia by Yu. Wasilenko
Die
Entwicklung der phoniatrischen Wissenschaft begann in Rußland,
wie auch in anderen Ländern, Ende des vorigen Jahrhunderts
mit einzelnen Arbeiten der Otorhinolaryngologen, die sich mit
den Problemen der Stimmbildung, den objektiven Beobachtungen
über die Vokalfunktion und den Störungen der Stimme
und ihrer Behandlung befaßten.
Zu
den ersten russischen Otorhinolaryngologen, die in der Presse
spezielle Arbeiten mit phoniatrischer Thematik veröffentlichten,
gehörten N. P. Simanovskij, der 1885 einen Artikel über
funktionelle Störungen des Stimmapparates während
der Pubertät schrieb, sowie D. I. Koslakov und V. N. Nikitin,
die 1884 und 1903 Arbeiten über die Bedeutung der Stroboskopie
für die Untersuchung der Funktion des Kehlkopfes publizierten.
Den größten Beitrag zur Entwicklung der Phoniatrie
in Rußland zu Beginn dieses Jahrhunderts leistete der
Moskauer Professor E. N. Maljutin.
Wie
die meisten russischen Otorhinolaryngologen - die Begründer
der Phoniatrie - interessierte sich auch E. N. Maljutin hauptsächlich
für die Singstimme. Es ist festzustellen, daß sich
die sowjetische Phoniatrie in den Kriegsjahren von 1941 bis
1945 besonders mit Problemen befaßte, die mit der beruflichen
Stimmbildung und mit der Singstimme bei Kindern in Zusammenhang
standen. Alle anderen Richtungen der Phoniatrie begannen sich
erst in der Nachkriegszeit zu entwickeln. Dieses Interesse an
der künstlerischen Singstimme kann dadurch erklärt
werden, daß die Volkskunst, besonders die Oper, im Leben
der russischen Menschen großen Platz einnahm.
E.
N. Maljutin ist einer der ersten sowjetischen Autoren, welche
dem engen Zusammenhang zwischen den Besonderheiten der anatomischen
Konstruktion des Stimmapparates und den Eigenschaften der Singstimme
Aufmerksamkeit schenkten. Insbesondere war er der erste, der
durch die Methode der Abnahme von Gipsabdrücken den Gaumenbogen
von bedeutenden Sängern des Bolschoj-Theaters untersuchte,
darunter von Shaljapin, Sobinov, Nezdanova und anderen. Er beschrieb
die Konfiguration des Gaumenbogens bei den verschiedenen Arten
von Opernstimmen und führte den Koeffizienten des Gaumenbogens
ein: das Verhältnis der Tiefe des Gaumenbogens zu seiner
Länge. Bewertet wurden die Steilheit der Vorderwand u.
a. Er untersuchte den Einflug einer anomalen Form des Gaumenbogens
auf die Entwicklung der Sprechstimme, und zum ersten Mal wurden
Störungen der Stimme mit Hilfe von Gaumenbogenprothesen
behandelt, die seinen abnormen Aufbau korrigierten.
Den
Versuch, die Besonderheiten des Aufbaus der verschiedenen Teile
des Stimmapparates mit der Funktion der Stimme zu verbinden,
machte Maljutin auch in bezug auf die Größe und Dicke
des weichen Gaumens, die Form der Aryknorpel, die Größe
der Stimmfalten usw. Eine andere Richtung, die er untersuchte,
war der Einflug der Schwingungsreize auf die Vokalfunktion.
Er führte die Behandlung mit harmonischen Schwingungen
in die Behandlungspraxis ein.
E.
N. Maljutin richtete im Jahre 1928 gemeinsam mit einer Gruppe
von Professoren ein Labor für Experimentalphonetik und
-phoniatrie am Moskauer Konservatorium ein, das bis 1941 bestand,
und führte Untersuchungen der Atmung während des Singens
durch (D. L. Aspelund, V. A. Bagadurov), ferner untersuchte
er die Veränderungen der Schleimhaut des Kehlkopfes während
des Menstrualzyklus (V. I. Petrov, V. I. Ancyskina) u. a.
Nach
dem Krieg wurden phoniatrische Kabinette in den meisten Konservatorien
der UdSSR eingerichtet. In diesen Kabinetten wird der Zustand
der Stimmorgane bei den in der Ausbildung stehenden Sängern
ständig beobachtet, werden Behandlungen und wissenschaftliche
Untersuchungen durchgeführt. Der Phoniater ist ein ständiger
Helfer des Gesangspädagogen. Er ist bei allen Prüfungen
und Konzerten der Studenten anwesend und nimmt an der Auswertung
der Erfolge der Studenten teil.
Die
Ideen von E. N. Maljutin über den Zusammenhang zwischen
der Form des Gaumenbogens und den Umständen der Stimmbildung
fanden fernerhin ihren Niederschlag in den Arbeiten von M. S.
Erbstejn, S. V. Ludilina und I. L. Jamstekin. I. L. Jamstekin,
ein Stomatologe aus Lvov, fertigte mehr als 400 Gaumenbogenprothesen
für Sänger an und wies darauf hin, daß die Form
des Gaumenbogens und der Neigungswinkel der Vorderzähne
bei der Gesangsphonation eine sehr große Bedeutung haben.
Er schlug eine Technik zur Berechnung der Konstruktion von Prothesen
vor, welche die ungünstige Form des Gaumenbogens bei Sängern
korrigieren.
Ein
bedeutender Moskauer Phoniater der Vorkriegszeit, der einen
wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Wissenschaft der Singstimme
leistete, war der Dozent L. D. Rabotnov. Seine Arbeiten der
zwanziger Jahre zeigten die enge Wechselbeziehung zwischen der
Funktion der Atmungsorgane und der Arbeit der anderen Teile
des Stimmapparates: Dem Kehlkopf, den Stimmfalten und dem weichen
Gaumen. Rabotnov untersuchte bei mehr als 300 Sängern die
Atmung und kam zu dem Schlug, daß die Funktion des Atmens
entscheidend ist für die Funktion aller übrigen Teile
des Stimmapparates beim Singen. Zu den wichtigsten Ideen von
Rabotnov gehört der Gedanke der Aktivität der glatten
Luftröhrenmuskeln und der Bronchien bei der Aufrechterhaltung
des subglottischen Drucks und der regulierenden paradoxen
Bewegungen des Zwerchfells während der Phonation. Bei der
Untersuchung der Außenbewegungen der Brust- und der Bauchwände
stellte er durch Pneumographie fest, daß bei den meisten
der bedeutendsten Sänger diese Wände einatmende Bewegungen
vollführen anstatt sich zu senken, d, h. das Zwerchfell
kontrahiert aktiv und unterdrückt das Ausatmen. Aus dieser
Tatsache zog er bei den besten Sängern die Schlußfolgerung,
daß dies im wesentlichen durch die Kraft der glatten Muskeln
geschieht, die im Tracheobronchialbaum liegen. Auf diesem Grundgedanken
baute er die methodische Konzeption der Entwicklung der Singstimmen
auf.
Die
Tatsache der aktiven Teilnahme der Tracheobronchialmuskeln an
der Regulierung des subligamentösen Drucks und der Bewegungen
des Zwerchfells entdeckte sehr viel später der Sprechphysiologe
N. I. Einkin (1957) bei seinen röntgeno- und kymographischen
Untersuchungen. Das Lumen der Bronchien ändert sich plötzlich
beim Aussprechen verschiedener Sprechsilben in Abhängigkeit
vom Vokal und entsprechend der Aufrechterhaltung des erforderlichen
subligamentösen Drucks. Ebenfalls empfindsam reagiert das
Zwerchfell auf das Aussprechen von Silben. Das allgemeine Bild
der Atmung, das von den Ausatmungsmuskeln gegeben wird, prägen
die Bronchialmuskeln und das Zwerchfell je nach den Phonationsaufgaben.
Fernerhin wurde dieser Mechanismus des subglottischen Drucks
während der Gesangsphonation durch die Forschungen von
L. K. Jaroslavceva bestätigt.
Ein
anderer großer Phoniater, der die phoniatrische Abteilung
in dem 1930 neu gegründeten Forschungsinstitut für
Hals-, Nasen, Ohrenkrankheiten in Leningrad leitete, war I.
I. Levidov. Sein Buch Perceskij golos v sdorovom i bolnom
sostojanii (Singstimme im gesunden und kranken Zustand,
1939), in dem die zahlreichen persönlichen Beobachtungen
des Autors ausgewertet werden, hat bis heute seinen Wert nicht
verloren. Er untersuchte die Rolle des oberen Resonators, der
sogenannten Maske, beim Singen bekannter Sänger, nachdem
er die Tatsache und den Wert dieser Schwingungen experimentell
bewiesen hatte (1925). In seinen Werken hob er den sehr engen
Zusammenhang zwischen einer Störung der Stimme und der
falschen Technik der Stimmbildung hervor. Die Behandlung vieler
Krankheiten kann sich nicht nur auf die medikamentöse und
physiotherapeutische Beeinflussung des Kehlkopfes beschränken;
erforderlich ist eine richtige Stimmbildung (1928). In seinen
Arbeiten werden viele phoniatrische Fragen aufgeworfen. I. I.
Levidov ist einer der ersten Phoniater, der eine Reihe von Arbeiten
der Entwicklung der Kinderstimme gewidmet hat (1939).
Der
Leningrader Phoniater M. I. Fomicev, Autor des Buches Osnovy
foniatrii (Grundlagen der Phoniatrie, 1949)
befaßte sich mit Fragen der Eignungsprüfung von angehenden
Sängern, mit der Feststellung der beruflichen Eignung und
mit den Erkrankungen von Personen mit Sprechberufen. Insbesondere
untersuchte er den Zustand des Gehörs und des Stimmapparates
bei Telefonistinnen (1937). Diese Richtung der phoniatrischen
Untersuchungen in den dreißiger Jahren entwickelten V.
G. Ermolaev, A. A. Gladkov, V. Ja. Solourin u. a. Sie untersuchten
die Berufskrankheiten bei Telefonistinnen, Lehrern und Rednern.
M. I. Fomicev wandte bei der Behandlung von Aphonie und Dysphonie
umfassend die Methode der gleichzeitigen Beeinflussung des Kehlkopfes
und des Artikulationsapparates an, indem er Töne artikulieren
ließ und gleichzeitig die Stimmfunktion durch Schwingungen
stimulierte. M. I. Fomicev entwickelte ebenfalls die Ideen von
Maljutin und Erbstein von der Bedeutung der Besonderheiten des
anatomischen Aufbaus des Stimmapparates bei der Feststellung
der Stimmgattungen weiter. Er nahm zahlreiche Untersuchungen
der Morphologie des Kehlkopfes vor. Anhand von anatomischem
Material und intra vitam maß er die Länge der Stimmfalten
bei den verschiedenen Stimmgattungen. Diese Länge nahm
in folgender Reihenfolge zu: Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bariton,
Baß. Die absoluten Zahlen jedoch, die Fomicev ermittelte
(Tenor: 15 - 17 mm, Bariton: 17 20 mm; Baß: 19
- 22 mm), stimmten nicht mit den bekannten Zahlen nach Zimmermann
überein. Seine Untersuchungen brachten ihn zu der Schlußfolgerung,
daß die funktionellen Möglichkeiten des Kehlkopfes
bei den verschiedenen Individuen sehr mannigfaltig sind.
Von
den vor dem z. Weltkrieg entstandenen Arbeiten, die die Entwicklung
der Phoniatrie beeinflußten, müssen die Arbeiten
des Phoniaters und Otorhinolaryngologen F. F. Zasedatelev und
des Akustikers S. N. Rzevkin genannt werden. In dem Buch von
F. F. Zasedatelev Naucnye osnovy postanovki golosa
(Wissenschaftliche Grundlagen der Stimmbildung,
1925) werden zahlreiche wissenschaftliche Unterlagen über
Stimmbildung bei Sängern ausgewertet, und auf der Grundlage
dieser Angaben werden bestimmte methodologische Empfehlungen
gegeben. Das Buch Sluch i rec v svete sovremennych fiziceskich
issledovanij (Gehör und Sprache vom Standpunkt
der heutigen physikalischen Forschungen, 1936) von S.
N. Rzevkin faßt die Erkenntnisse der Physik bei der Untersuchung
der Singstimme, des Sprechens und des Gehörs zusammen.
S. N. Rzevkin und V. Kazanskij (1928) haben als erste den sogenannten
tiefen Gesangsformanten im Bereich von 517 Hz entdeckt, der
bei gut ausgebildeten Singstimmen immer vorhanden ist.
Während
des Krieges von 1941 bis 1945 befaßten sich die Phoniater
in ihren Arbeiten mit Kriegsverletzungen, mit der Behandlung
von neurogenen Aphonien und Dysphonien und komatösen kontusiösen
Logopathien, mit posttraumatischen Veränderungen des Kehlkopfes
usw.
In
den Nachkriegsjahren begannen sich die phoniatrischen Forschungen
in einigen medizinischen Instituten und Einrichtungen intensiver
zu entwickeln. Zentren der Forschungen auf dem Gebiet der Phoniatrie
waren das Leningrader Institut und das Zentralinstitut für
Ärztefortbildung, und die Institute für Hals-Nase-Ohren
in Moskau, Leningrad und Kiev. Große Bedeutung bei der
Entwicklung der Wissenschaft von der Singstimme hatten die akustischen
Laboratorien des Moskauer Konservatoriums, geleitet von D. D.
Jurcenko, und des Leningrader Konservatoriums, geleitet von
V. P. Morozov, sowie das Labor für Physiologie des Singens
der Staatlichen Hochschule für Musik und Pädagogik
Gnesiny, geleitet von L. B. Dimitriev. Eine Spitzenposition
im Bereich der Untersuchung und Behandlung von Störungen
der Stimme nahm das Labor für Stimmpathologie des Instituts
für Gerichtspsychiatrie Serbskij unter der
Leitung von S. L. Taptapova ein.
Im
Forschungsinstitut für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten
und Sprachstörungen in Leningrad arbeitete eine Gruppe
von Phoniatern, zu der M. I. Fomicev, N. F. Lebedeva, T. E.
Shamsheva, R. I. Rajkin und I. A. Voroncova gehörten, an
Fragen der Ätiopathogenese, Diagnostik und Prophylaxe von
Berufskrankheiten des Stimmapparates. In der phoniatrischen
Abteilung wurden verschiedene Methodiken zur Erforschung des
Prozesses der Stimmbildung - normal und pathologisch - erarbeitet.
Es wurde eine Spezialapparatur konstruiert und modifiziert,
die es ermöglicht, die Atmung, die Schwingungen der Stimmfalten
u. a. zu untersuchen. Von den Methodiken, die im Laboratorium
entwickelt wurden, müssen die objektiven akustisch-physiologischen
Methoden zur Untersuchung der Stimmfunktion genannt werden,
durch die der funktionelle Zustand des Stimmapparates quantitativ
bewertet werden kann. Diese ermöglichten es, frühe
Formen von funktionellen Störungen der Stimme bei Sängern
festzustellen und die Effektivität der verschiedenen Behandlungsmethoden
für Berufskrankheiten des Stimmapparates zu bewerten (N.
F. Lebedeva, R. I. Rajkin, T. E. Shamsheva).
M.
I. Fomicev und N. F. Lebedeva entwickelten Normen für die
stimmliche Belastung bei jungen Sängern und führten
sie in die Praxis ein. T. E. Shamsheva erarbeitete Kennziffern
für die Eignungsprüfungen in Musik- und Schauspielschulen.
T. E. Shamsheva und N. F. Lebedeva untersuchten den funktionellen
Zustand des Stimmapparates von singenden Kindern unter dem Aspekt
des Alters, wodurch Normen für ihre stimmliche Belastung
in die Praxis eingeführt werden konnten. T. E. Shamsheva
untersuchte zum ersten Mal den funktionellen Zustand des Stimmapparates
bei Berufssängern, die unter chronischen Erkrankungen des
Rachens und der Nasenhöhle leiden. Es wurde festgestellt,
daß sich die Erkrankungen ungünstig auf die Stimmfunktion
auswirken, und es wurden Indikationen für die Wahl der
Behandlungsmethoden, für Art und Umfang chirurgischer Eingriffe
usw. erarbeitet. Die Anwendung der akustischen Untersuchung
zur Feststellung des Zustandes der Stimmfunktion führt
bei diesen Patienten objektiv zur Verbesserung oder völligen
Normalisierung der Stimmfunktion nach der Behandlung.
N.
F. Lebedeva, V. P. Morozov und T. E: Shamsheva entdeckten durch
die Untersuchung von Integralspektrogrammen die charakteristischen
Besonderheiten der Spektren der verschiedenen Typen von Männersingstimmen,
was die Feststellung des Stimmtyps ermöglichte. N. F. Lebedeva
bewertete den Grad der Ermüdbarkeit des Stimmapparates
entsprechend der Analyse der Spektrogramme einer Stimme. B.
S. Krylov, N. F. Lebedeva, I. A. Voroncova und T. E. Shamsheva
wandten erfolgreich die endolaryngeale Elektrostimulation der
endogenen Kehlkopfmuskeln bei der Behandlung von paralytischen
Zuständen an.
Einen
großen Beitrag zur Entwicklung der phoniatrischen Wissenschaft
leistete Professor V. G. Ermolaev vom Institut für Ärztefortbildung
in Leningrad. Er schenkte der Stroboskopie starkes Augenmerk
und entwickelte eine Klassifikation für stroboskopische
Bilder entsprechend der Schwere der Störung der Stimmfunktion.
Er stellte fünf Stufen der Abweichung der stroboskopischen
Bilder von der Norm fest. Die Norm, bei der beide Stimmfalten
unbeweglich zu sein scheinen, nannte er stroboskopischen Komfort.
V. G. Ermolaev zeigte die Bedeutung der stroboskopischen Untersuchung
bei der Diagnostik der frühen Stadien von Krebs. V. G.
Ermolaev, N. F. Lebedeva und V. P. Morozov gaben 1970 das Buch
Rukovodstov po foniatrii (Leitfaden der Phoniatrie)
heraus. Eine interessante Besonderheit dieses Buches ist, daß
ein Teil vollkommen der Wissenschaft der Stimme gewidmet ist;
während der erste Teil in herkömmlicher Weise Angaben
über Anatomie, Physiologie und Pathologie der Organe des
Stimmapparates enthält, untersucht der zweite Teil die
heutigen Methoden der akustischen Analyse der Singstimme in
normalem und pathologischem Zustand. Dieser Teil wurde von dem
bedeutendsten Physiologen und Spezialisten für biologische
Akustik V. P. Morozov geschrieben.
V.
P. Morozov richtete zu Beginn der sechziger Jahre beim Leningrader
Konservatorium ein akustisches Labor ein. In den vergangenen
Jahren wurden zahlreiche grundlegende Untersuchungen der Singstimme
vorgenommen und wichtige Bücher geschrieben: Vokalnyj
sluch i golos (Vokales Gehör und Stimme,
1965), Tanja vokalnoj reci (Geheimnisse
des vokalen Sprechens, 1967) und Biofiziceskie charakteristiki
vokalnoj reci (Biophysikalische Charakteristiken
des vokalen Sprechens, 1978). V. P. Morozov untersuchte
ausführlich die Rolle des hohen Singformanten bei einer
gut ausgebildeten Stimme. Er zeigte, daß bei einem qualifizierten
Sänger in diesem Bereich bis 35 °/o der Klangenergie
konzentriert ist., Der hohe Singformant verleiht der Stimme
einen silberhellen Klang, beeinflußt die Lautstärke
des Tons und gewährleistet ihren vollen, tragenden Klang
im Saal. Die Fähigkeit, das Orchester zu übertönen
und im Saal gut hörbar zu sein, steht in Zusammenhang mit
der besonderen Sensibilität des Gehörs gegenüber
diesem Frequenzbereich. Durch interessante Versuche mit der
Filtration, dem Ausscheiden dieses Frequenzbereiches,
konnte ganz offensichtlich seine Rolle bei der Herausbildung
eines richtigen Gesangstimbres bewertet werden. V. P. Morozov
untersuchte das Vibrato einer Singstimme, wobei er darauf verweist,
daß sich das Vibrato in Abhängigkeit vom emotionalen
Zustand des Sängers ändert. Er untersuchte die Frequenz-
und Amplitudenkomponenten und zeigte, daß sie sich bei
ausgebildeten Sängern in einem Gegenphasenverhältnis
befinden. Das Vorhandensein eines beständigen Vibratos
in der Stimme macht ihn störunempfindlich und ermöglicht
es, durch Geräusche und den Klang des Orchesters hindurch
besser hörbar zu sein. V. P. Morozov untersuchte ebenfalls
die Fragen des Sprechgesangs, den Einflug der Veränderungen
der akustischen Rückkopplung auf das Sprechen und Singen,
die Rolle der Schwingungsreize beim Gesang und die Fragen des
Einflusses des emotionalen Zustandes auf die Qualität der
Singstimme. Morozov wies auf die hohe Effektivität der
Vibrationsrückkopplung für die Regulierung des Gesangs
hin.
Im
Forschungsinstitut für Hals-Nase-Ohren in Moskau wurde
in den fünfziger Jahren unter der Leitung von A. T. Rjabcenko
eine phoniatrische Abteilung gegründet. Ihr Hauptaugenmerk
richtete sie auf die funktionellen Störungen der Stimme,
mit denen sich auch ihr Buch Funkcionalnye
narusenija golosa (Funktionelle Störungen der
Stimme, 1964) befaßte: Sie unterstrich, daß
die ätiologischen Hauptmomente dieser Erkrankungen zwei
Faktoren bilden: Der neurotische Zustand, der noch vor -den
Symptomen der Krankheit entsteht, und das Anfangsmoment, d.
h. eine plötzliche Krankheit, Angst, Erschrecken u. ä.
Hieraus ergibt sich auch die Behandlung, die auf die Beseitigung
des neurotischen Zustandes gerichtet sein muß (Psychotherapie,
medikamentöse Behandlung, allgemein kräftigende Maßnahmen),
und danach Atemgymnastik und orthophonische Übungen.
Später
wurde die phoniatrische Abteilung von Ju. S. Vasilenko geleitet.
Er untersuchte die Störungen der Stimme bei Personen, die
Sprechberufe ausüben (Pädagogen, Reiseleiter, Kindergärtnerinnen,
Studenten, Sänger u. a.). Der ätiologische Hauptfaktor
für die Entstehung von Berufskrankheiten des Kehlkopfes
bei Personen mit Sprechberufen ist seine Überanstrengung
durch eine erhöhte Belastung der Stimme sowie eine schlechte
Sprechtechnik. Der Autor schlug eine effektive Methodik der
Stimmbildung und der Sprechtechnik zur Behandlung und Prophylaxe
von Dysphonien sowie einige Methodiken zur Behandlung von bestimmten
Berufskrankheiten vor. Angesichts der Wirkung einer Komplextherapie
für Berufskrankheiten des Kehlkopfes wurde die Frage aufgeworfen,
ob stationäre Abteilungen in den führenden Kliniken
und den Forschungsinstituten für HalsNase-Ohr erforderlich
sind. Von den interessanten Untersuchungen, die in diesem Institut
durchgeführt wurden, muß die elektromyographische
Untersuchung des Musculus cricoarytaenoideus und des Musculus
cricoarytaenoideus posterior beim Menschen in normalem und pathologischem
Zustand hervorgehoben werden, die von S. A. Salamov (1972) vorgenommen
wurde. V. P. Nikolaevskaja und Ju. S. Vasilenko entwickelten
1972 eine Apparatur und eine Methodik zur Durchführung
der endolaryngealen Phonophorese durch Hydrokortison bei einigen
gutartigen Gebilden und entzündlichen Erkrankungen des
Kehlkopfes.
Von
den Arbeiten, die im Zentralinstitut für Ärztefortbildung
ausgeführt wurden, muß die Arbeit von I. I. Potapov
und S. I. Ibragimova (1968) hervorgehoben werden, die sich mit
der anatomischen und physiologischen Asymmetrie des Kehlkopfes
beschäftigt. Sie führten in die Praxis den Begriff
der Hauptstimmfalte ein, die stärker an den Funktionen
beteiligt ist als die andere. I. I. Potapov und V. F. Antonov
(1975) führten als erste in der UdSSR Teflonpaste in eine
gelähmte Stimmfalte ein, um die Stimmritzenöffnung
zu verkleinern und die Stimmfunktion zu verbessern. G. T. Bekbulatov
erarbeitete eine Methodik zur Behandlung einiger funktioneller
Zustände und organischer gutartiger Neoplasmen durch ortophonische
Übungen. Im Jahre 1972 nahm er extreme Zeitlupenaufnahmen
der Stimmfalten während der Phonation vor.
Von
großem Interesse für die Phoniater war das Buch von
Professor für Anatomie M. S. Graceva Morfologija
i funkcionalnoe znacenie nervnogo apparata gortani
(Morphologie und funktionelle Bedeutung des Nervenapparates
des Kehlkopfes, 1956). Darin wird gezeigt, wie sich drei
Anhäufungen von Nervenendigungen im Kehlkopf bilden, die
sogenannten reflexogenen Zonen: An den Rändern der Plicae
aryepiglotticae und der Kehlkopfoberfläche des Kehldeckels,
an den Aryknorpeln, im Spatium interarytaenoideum und im subglottischen
Bereich. Der subglottische Bereich wird so mit der Regulierung
des trachealen Luftdrucks für die Vokalfunktion verbunden.
Interessant sind die Untersuchungen von M. S. Graceva, die sich
mit der Bildung des Musculus vocalis und den individuellen Varianten
der Lage seiner schrägen Faszikel, die vom Rand der Stimmfalte
zum Schild- und Aryknorpel verlaufen, beschäftigen.
1958
erschien von N. I. Einkin das Buch Mechanism reci
(Sprechmechanismus), in dem die interessantesten
Beobachtungen des Autors über die Tätigkeit der Atmungs-
und Artikulationsorgane während der Phonation angeführt
wurden. Auf Röntgenogrammen fixierte er die Bewegungen
des Diaphragmas und der Bronchien im Prozeß der Regulierung
des subligamentösen Druckes während des Aussprechens
von Sprechsilben. Dies bestätigte die Konzeption von L.
D. Rabotnov über die aktive Rolle dieser Organe bei der
Phonationsausatmung. N. I. Zinkin wies auf die große Bedeutung
des Rachens bei der Aussprache von Silben hin. Der Prozeß
des Aussprechens einer Silbe ist mit einer gleichzeitigen Einschaltung
des Stimmechanismus Tongeneration, der Resonatorsysteme
und einer gewissen Regulierung der Stärke (energetische
Komponente) verbunden. Der Rachen ist die Stelle, an der es
zu ihrer Wechselbeziehung kommt, da er ein Bestandteil des Resonatorsystems
ist, zur energetischen Komponente gehört und durch die
myoneuralen Verbindungen mit dem Kehlkopf verbunden ist.
In
dem akustischen Labor des Moskauer Konservatoriums untersuchten
die Wissenschaftler D. D. Jurcenko und E. A. Rudakov (1954)
die Fragen der Bildung des hohen Singformanten. Sie wiesen darauf
hin, daß, selbst bei geringem Mehraufwand an Energie im
Bereich des hohen Singformanten, eine unvollkommene Stimme qualitativ
verbessert wird; sie wird hell, klangvoll, tragend. E. A. Rudakov
publizierte im Jahre 1961 seine Theorie von der Bildung eines
hohen Singformanten als lokalem Pfeifton der Stimmfalten. Im
Labor wurde das Anzeigegerät Formantenindikator
entwickelt, das den Anteil des hohen Singformanten im Ton der
Stimme des Sängers anzeigt.
Die
Arbeiten von Prof. L. B. Dmitriev (1955, 1957, 1962, 1968) unterscheiden
sich von den meisten Untersuchungen, die sich mit der Physiologie
der Stimmbildung beschäftigen, dadurch, daß er bei
einer großen Anzahl von hochqualifizierten Sängern
- bekannten Opernsängern des Bolshoj-Theaters während
des normalen Singens Untersuchungen durchführte. Anhand
von mehr als 1000 Röntgenbildern, die während des
Ruhezustandes, beim Sprechen und beim Singen während unterschiedlicher
Aufgabenstellungen aufgenommen wurden, gelang es dem Autor,
eine Reihe von Gesetzmäßigkeiten des Verhaltens der
Stimmorgane während des Singens festzustellen. Schließlich
wurde die Frage der Lage des Kehlkopfes beim Singen gelöst.
Der Kehlkopf hat beim Singen eine spezielle Lage, die sowohl
vom Ruhezustand als auch von den Sprechmechanismen unabhängig
ist. Bei den Berufssängern wird sie im gesamten Stimmumfang
für alle Vokale auf derselben Höhe gehalten. Diese
Lage kann über der Ruhestellung oder darunter sein, oder
kann mit ihr übereinstimmen. Die Höhe des Kehlkopfes
beim Singen ist durch die akustische Notwendigkeit bedingt,
einen Mundrachenraumkanal mit einer bestimmten Länge zu
haben, der für die Bildung des für diesen Stimmtyps
charakteristischen Timbres erforderlich ist. Deshalb hat jeder
Stimmtyp beim Singen eine bezeichnende Länge des Mundrachenkanals,
die von den hohen Stimmen zu den niedrigen Stimmen in folgender
Reihenfolge zunimmt: Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bariton, Baß.
Eine andere wichtige Schlußfolgerung, die L. B. Dmitriev
aus seinen Untersuchungen zog, ist, daß der Stimmapparat
nach dem Trichterprinzip arbeitet, bei dem die Kehlkopfhöhle
die Funktion einer Trichtervorkammer übernimmt. Eine charakteristische
Erscheinung beim Berufssingen ist der stark verengte Eingang
(1 mm . . . 2 mm) in den Kehlkopf (additus laryngis). Diese
Verengung macht aus dem subraglottischen Raum des Kehlkopfes
eine kleine begrenzte Höhle, welche die Bolle des akustischen
Transformators spielt. Der Autor gab folgende Definition für
die physiologischen Mechanismen des Stimmapparates: Die Lage
des Kehlkopfes, des weichen Gaumens, der Zunge und der Lippen
wird völlig durch die akustische Notwendigkeit bestimmt,
einen Ton der erforderlichen Qualität zu erzeugen. L. B.
Dmitriev legte seinen Forschungen die Lösung der methodischen
Fragen der Ausbildung einer Singstimme zugrunde.
1962
richtete L. B. Dmitriev gemeinsam mit einer Gruppe von Ärzten
und Mitarbeitern bei der Staatlichen Hochschule für Musik
und Pädagogik Gnesiny ein Laboratorium für
die Physiologie des Singens ein. In dem Laboratorium untersuchte
L. K. Jaroslavceva die Atmung beim Singen durch Elektropneumographie,
Spirometrie und Röntgen und bestätigte, daß
der Typus infracostalis diaphragmaticus am zweckmäßigsten
ist. Der Typ der Atmung wird nicht nach dem Wesen des Einatmens
festgestellt, sondern nach dem Typ der Regulierung des Ausatmens,
weil nicht von Bedeutung ist, wohin eingeatmet wird, sondern
wie der Ton durch die Atmung während des Phonationsausatmens
aufrechterhalten wird.
Ihrem
Umfang nach ist die Untersuchung der Stimmregister bei Kindern
und Erwachsenen, die V. L. Caplin durchführte, wichtig
(1977). Anhand von 3000 Elektronenstroboskopien und 2000 Glottographien
stellte er fest, daß die Stimmregisterveränderungen
eine Folge der unterschiedlich dichten Schließung der
Stimmlippen sind und bei Männern, Frauen und Kindern einheitlich
gesetzmäßig verlaufen. Deshalb hat eine Teilung des
Tonumfangs nach Brustregister und Übergangsregister keine
praktischen Bedeutung und ist physiologisch nicht begründet.
Nur
die Kopfstimme unterscheidet sich grundlegend durch unvollständiges
Schließen der Stimmritze im Vergleich zur Funktion der
Falten bei den anderen Stimmarten. Alle übrigen Arten beruhen
auf der völligen Schließung der Stimmritze und unterscheiden
sich lediglich durch den Schließgrad. In den Glottogrammen
zeigt sich dies im Verhältnis der Zeit des Öffners
der Stimmritze (t des Öffners zur Gesamtzeit des Schwingungszyklus
(T).
Mit
Q wird in der Physik die Durchlässigkeit bezeichnet, was
V. L. Caplin zur Bewertung der Glottogramme anwandte. Aus diesen
Angaben wurden methodische Schlußfolgerungen für
die Entwicklung einer ruhigen Stimme im gesamten Stimmumfang
gezogen.
Den
Fragen der Restitution der Stimme und der Sprache wurde während
des Krieges von 1941 bis 1945 in den Krankenhäusern große
Aufmerksamkeit geschenkt, in denen surdologopädische Abteilungen
eingerichtet wurden. Im Moskauer Krankenhaus für Kiefer
und Gesicht beschäftigten sich die Surdopädagogen
und Logopäden mit der Restitution der Stimme und der Sprache
bei Verwundeten und lehrten sie das Ablesen von den Lippen.
Hier wurde eine Methodik zum Ablesen von den Lippen für
diejenigen Patienten entwickelt, die spät gehörlos
wurden (A. I. Mett und N. A. Nikitina, 1954).
1967
wurde auf der Grundlage dieser surdologopädischen Abteilung
ein Labor für funktionelle und andere Arten von Sprechpathologien
beim Zentralen Forschungsinstitut für Gerichtspsychiatrie
Serbskij gegründet. Eine Gruppe dieses Laboratoriums
befaßt sich unter der Leitung von N. M. Asatiani auch
mit den Problemen des Stotterns. Eine andere Gruppe unter der
Leitung von S. L. Taptapova beschäftigt sich mit Störungen
wie Dysphonien, Paralysen des Nervus recurrens nach Strumektomie,
Phonasthenien, Zuständen nach der Entfernung von gutartigen
Geschwülsten am Kehlkopf und nach teilweisen Resektionen
und Laryrzgektomien, Rhinolalien, Rhinophonien, Sprachstörungen
durch Fehler an den Zähnen und am Kiefer u. ä. In
dem Labor wurden wirksame Methodiken für eine phonopädische
Therapie bei den genannten Störungen der Stimme und Sprache
ausgearbeitet (E. V. Lavrova, 1972, A. V. Krickij 1969, I. I.
Ermakova 1979, Z. V. Ludilina 1973). S. L. Taptapova (1970)
entwickelte Methoden zur Restitution des artikulierten Sprechens
nach einer totalen oder teilweisen Entfernung des Kehlkopfes
und begründete sie wissenschaftlich. Sie untersuchte gründlich
den Mechanismus der Bildung der Speiseröhrenstimme, verwandte
dabei einen Röntgenfilm, der die Funktion der erneuten
Verengung der Speiseröhre bei artikulierter Aussprache
zeigt, und stellte die akustische Struktur der Pseudostimme
fest. Die Methodiken, die in diesem Labor entwickelt wurden,
finden in der ganzen Welt breite Anwendung. Sie sind so effektiv,
weil bei der Ausarbeitung jeder Methodik ein Spezialistenkollektiv
beteiligt war; ein Phoniater, ein Audiologe, ein Logopäde,
ein Psychiater und ein Facharzt für Heilgymnastik.
Die
Zunahme der Zahl von Personen mit Sprechberufen macht die Ausarbeitung
von medizinisch-pädagogischen Methoden der Stimmbildung
erforderlich. Die Entwicklung von differenzierten Methoden für
eine phonopädische Therapie ist das wichtigste Problem,
weil die Fragen der Sprach- und Stimmstörungen soziale
Bedeutung gewinnen. Gerade dies ist die Hauptrichtung der Tätigkeit
des Labors.
Von
den bedeutenden Arbeiten auf dem Gebiet der Phoniatrie müssen
die Dissertationen von V. A. und L. A. Trinos aus Kiev genannt
werden. L. A. Trinos (1969) untersuchte die Stimmfunktion bei
Berufssängern unter dem Aspekt des Alters nach folgenden
Methoden: Profilröntgenaufnahme, Pneumographie, Untersuchung
des Gasaustausches nach F. Belau, elektronische Stroboskopie
und Chronaxiemetrie. Dadurch konnte die Reaktion des Organismus
eines Sängers auf die Belastung der Stimme je nach Qualifikation
und Alter beurteilt und die Frage nach der Notwendigkeit unterschiedlicher
Arbeitsweisen für Sänger der verschiedenen Altersgruppen
gestellt werden. Nach denselben Methoden untersuchte V. A. Trinos
(1969) singende Kinder verschiedener Altersgruppen. Eine Schlußfolgerung
ist, daß es möglich und zweckmäßig ist,
Kinder mit Stimmbruch stimmlich weniger zu belasten.
Mit
den Fragen der Kinderstimme beschäftigten sich die russischen
Phoniater bereits in den Jahren vor dem z. Weltkrieg (I. I.
Levidov, E. N. Maljutin). In den Nachkriegsjahren kcnzentrierte
sich die Hauptarbeit zur Untersuchung der Kinderstimme im Zentralinstitut
für Kunsterziehung für Kinder der Akademie der Pädagogischen
Wissenschaften. Die bedeutendste Arbeit war die Untersuchung
der Physiologie und Akustik der Singstimme bei Kindern, die
eine große Gruppe von Phoniatern, Wissenschaftlern und
Pädagogen in Moskau und Leningrad unter der Leitung von
N. D. Orlov und E. I. Almazov durchführte. Diese Untersuchungen
wurden in dem Buch Detskij golos (Kinderstimme,
1970) zusammengefaßt. Als Ergebnis dessen wurden einige
methodische Prinzipien überprüft, wurden Forderungen
und Bedingungen festgestellt, die dazu beitragen, daß
die normale und gesunde Funktionsfähigkeit des Stimmapparates
eines Kindes, das im Chor singt, gewährleistet wird. Einige
wichtige Grundsätze sind folgende: Es muß immer daran
erinnert werden, daß ein Kinderchor kein Berufschor und
übermäßig lautes Singen nicht gestattet ist;
während des Stimmwechsels muß besonders stimmschonend
gearbeitet werden; die Kinder müssen unter ständiger
phoniatrischer Kontrolle stehen, und der Gesangspädagoge
soll mit ihnen auf individueller Basis arbeiten.
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